Franz Kafka: Amerika

Franz Kafka: Amerika

Gelesen: Juli 2019

Sprache: deutsch

Zahl der Seiten: 229

Veröffentlicht: 1927

Kategorie: Fiction

Quelle: http://gutenberg.spiegel.de

http://www.digbib.org/Franz_Kafka_1883/Amerika_.pdf

– Das Urteil 1913

– Strafkolonie 1920

– Die Verwandlung 1912

– Der Prozess 1925

– Das Schloss 1926

– Der Bau 1931

– Brief an den Vater 1919

https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Kafka

Biographie

Der Heizer

Karl Roßmann ist 16 Jahre alt. Seine Eltern schickten ihn nach Amerika, weil sie vertuscht haben wollen, dass ein Dienstmädchen von ihm ein Kind bekommen hatte. Das Schiff, an dem er nach Amerika gekommen war, blieb im Hafen stehen und die Passagiere eilten zu der amerikanischen Freiheitsgötin. Karl hat unten im Schiff seinen Regenschirm vergessen und kehrte zurück, um ihn zu suchen. Seinen Koffer ließ er bei einem Bekannten.

Karl hatte Probleme seinen Regenschirm zu finden. Er verlor die Orientation und wahrscheinlich auch den lange so gut geschutzten Koffer. Er trifft einen Mann, der sich als Schiffsheizer vorgestellt hat. Er will das Schiff und seine Arbeit verlassen. „Dann sind Sie mein Mann. Sehen Sie, wir sind doch auf einem deutschen Schiff, es gehört der Hamburg-Amerika-Linie, warum sind wir nicht lauter Deutsche hier? Warum ist der Obermaschinist ein Rumäne? Er heißt Schubal. Das ist doch nicht zu glauben. Und dieser Lumpenhund schindet uns Deutsche auf einem deutschen Schiff! Glauben Sie nicht“ – ihm ging die Luft aus, er fackelte mit der Hand – „dass ich klage, um zu klagen. Ich weiß, dass Sie keinen Einfluss haben und selbst ein armes Bürschchen sind. Aber es ist zu arg!“

Der Heizer entscheidet sich, ins Büro des Kapitäns zu gehen und den Herren da oben seine Meinung zu sagen.

Der Heizer begann seine Erklärungen und überwand sich gleich am Anfang, indem er Schubal mit »Herr« titulierte. Wie freute sich Karl am verlassenen Schreibtisch des Oberkassiers, wo er eine Briefwaage immer wieder niederdrückte vor lauter Vergnügen. – Herr Schubal ist ungerecht! Herr Schubal bevorzugt die Ausländer! Herr Schubal verwies den Heizer aus dem Maschinenraum und ließ ihn Klosette reinigen, was doch gewiß nicht des Heizers Sache war!“

/Seite 9/

In Wirklichkeit aber hat sich alles anders abgespielt, wie Karl erwartet habe. Herr Schubal ist gewonnen und der Heizer zeigte sich als Feigling. Ein Senator erzählte Karl´s Geschichte. Anders, als sie seine Eltern kapiert haben. Nicht Karl, sondern das Mädchen hat ihn vergewaltigt.

Die Zeit drängt schon“, sagte sich Karl, „aber ohne alle zu beleidigen, kann ich nichts tun. Ich kann doch jetzt den Onkel nicht verlassen, nachdem er mich kaum wiedergefunden hat. Der Kapitän ist zwar höflich, aber das ist auch alles. Bei der Disziplin hört seine Höflichkeit auf, und der Onkel hat ihm sicher aus der Seele gesprochen. Mit Schubal will ich nicht reden, es tut mir sogar leid, daß ich ihm die Hand gereicht habe. Und alle anderen Leute hier sind Spreu.< Und er ging langsam in solchen Gedanken zum Heizer, zog dessen rechte Hand aus dem Gürtel und hielt sie spielend in der seinen. »Warum sagst du denn nichts?« fragte er. »Warum läßt du dir alles gefallen?« Der Heizer legte nur die Stirn in Falten, als suche er den Ausdruck für das, was er zu sagen habe. Im übrigen sah er auf Karls und seine Hand hinab. 17 »Dir ist ja unrecht geschehen wie keinem auf dem Schiff, das weiß ich genau.« Und Karl zog seine Finger hin und her zwischen den Fingern des Heizers, der mit glänzenden Augen ringsumher schaute, als widerfahre ihm eine Wonne, die ihm aber niemand verübeln möge.

»Du mußt dich aber zur Wehr setzen, ja und nein sagen, sonst haben doch die Leute keine Ahnung von der Wahrheit.“

Karl geht mit seinem Onkel weg, aber zweifelt daran, dass der Senator ihm je den Heizer werde ersetzen können.

Der Onkel

Im Hause des Onkels gewöhnte sich Karl bald an die neuen Verhältnisse. Der Onkel kam ihm aber auch in jeder Kleinigkeit freundlich entgegen, und niemals mußte Karl sich erst durch schlechte Erfahrungen belehren lassen, wie dies meist das erste Leben im Ausland so verbittert.“

/Seite 20/

Vorsichtig wie der Onkel in allem war, riet er Karl, sich vorläufig ernsthaft nicht auf das geringste einzulassen. Er sollte wohl alles prüfen und anschauen, aber sich nicht gefangennehmen lassen. Die ersten Tage eines Europäers in Amerika seien ja einer Geburt vergleichbar, und wenn man sich hier auch, damit nur Karl keine unnötige Angst habe, rascher eingewöhne, als wenn man vom jenseits in die menschliche Welt eintrete, so müsse man sich vor Augen halten, daß das erste Urteil immer auf schwachen Füßen stehe und daß man sich dadurch nicht vielleicht alle künftigen Urteile, mit deren Hilfe man ja hier sein Leben weiterführen wolle, in Unordnung bringen lassen dürfe. Er selbst habe Neuankömmlinge gekannt, die zum Beispiel, statt nach diesen Grundsätzen sich zu verhalten, tagelang auf ihrem Balkon gestanden und wie verlorene Schafe auf die Straße hinuntergesehen hätten.“

/Seite 20/

Es ist sehr schwer das Werk von Kafka zu lesen und noch schwieriger etwa paar Notizen davon zu machen. Ich verstehe den Stil von Kafka nicht und finde das, was er schreibt, abscheulich. Ein Mädchen, die einen Mann vergewältigt! Was für ein Thema ist das? Was will er uns damit sagen? Dass seine Kindheit nicht problemlos gegangen ist? Dass er problematische Beziehung mit seinem Vater gehabt hat? Dass er selbst nicht gerade in Ordnung war, was den Sex betrifft?

Karl sehnt sich nach einem Klavier und bekommt es. „Er erhoffte in der ersten Zeit viel von seinem Klavierspiel und schämte sich nicht, wenigstens vor dem Einschlafen an die Möglichkeit einer unmittelbaren Beeinflussung der amerikanischen Verhältnisse durch dieses Klavierspiel zu denken.“

/Seite 22/

Karl lernt Englisch und sein Onkel freut sich, wenn er seine Spracherfolge sieht. Er nimmt ihn mit, er besorgt ihm einen Englischlehrer und stellt ihn der seine Gesellschaft der Reichen vor. Er ist stolz auf seinen Neffen. Karl besucht die Reitschule und hat Angst vor den Pferden.

In der Reitschule, wo ihn das hoch sich aufbauende Automobil des Onkels absetzte, erwartete ihn bereits der Englischprofessor, während Mack ausnahmslos erst später kam. Er konnte aber auch unbesorgt erst später kommen, denn das eigentliche, lebendige Reiten fing erst an, wenn er da war. Bäumten sich nicht die Pferde aus ihrem bisherigen Halbschlaf auf, wenn er eintrat, knallte die Peitsche nicht lauter durch den Raum, erschienen nicht plötzlich auf der umlaufenden Galerie einzelne Personen, Zuschauer, Pferdewärter, Reitschüler oder was sie sonst sein mochten?“

/Seite 23/

Karl sollte etwas von den Onkel´s Geschäften lernen.

Es war eine Art Kommissions- und Speditionsgeschäftes, wie sie, soweit sich Karl erinnern konnte, in Europa vielleicht gar nicht zu finden war. Das Geschäft bestand nämlich in einem Zwischenhandel, der aber die Waren nicht etwa von den Produzenten zu den Konsumenten oder vielleicht zu den Händlern vermittelte, sondern welcher die Vermittlung aller Waren und Urprodukte für die großen Fabrikskartelle und zwischen ihnen besorgte. Es war daher ein Geschäft, welches in einem Käufe, Lagerungen, Transporte und Verkäufe riesenhaften Umfangs umfasste und ganz genaue, unaufhörliche telefonische und telegraphische Verbindungen mit den Klienten unterhalten musste.“

/Seite 24/

Einmal war es so weit, dass der Onkel Karl mitnahm und bekannt mit seinen Geschäftspartnern machte. Bei einer der geschäftlichen Gelegenheiten stand Karl im Gespräch mit sogenanntem Herrn Pollunder und Herrn Green.

Der Herr Pollunder schien „überhaupt an Karl ein besonderes Gefallen zu finden, und während der Onkel und Herr Green wieder zu den geschäftlichen Besprechungen zurückkehrten, ließ Herr Pollunder Karl seinen Sessel nahe zu sich hinschieben, fragte ihn zuerst vielerlei über seinen Namen, seine Herkunft und seine Reise aus, bis er dann schließlich, um Karl wieder ausruhen zu lassen, lachend, hustend und eilig selbst von sich und seiner Tochter erzählte, mit der er auf einem kleinen Landgut in der Nähe von New York wohnte, wo er aber allerdings nur die Abende verbringen konnte, denn er war Bankier, und sein Beruf hielt ihn in New York den ganzen Tag fest. Karl wurde auch gleich herzlichst eingeladen, auf dieses Landgut hinauszukommen, ein so frischgebackener Amerikaner wie Karl habe ja auch sicher das Bedürfnis, sich von New York manchmal zu erholen.“

/Seite 25/

Der Onkel ist aber nicht gerade begeistert davon, dass Karl zu dem Herrn Pollunder kommen sollte. Er ist zuerst mit der Karl´s Einladung auf Pollunders Landgut nicht einverstanden. Dann willigt er zu, aber nur für einen Abend und eine einzige Nacht.

»Es ist merkwürdig, wie ungern er mir die Erlaubnis gegeben hat, Sie zu besuchen, obwohl Sie doch sein Freund sind.«

Ein Landhaus bei New York

Herr Pollunder hat eine Tochter namens Klara. Die behandelt aber Karl so schlecht, dass er an nichts anders denkt als daran, rasch zurück nach Hause zu gehen.

Jetzt handelte es sich nur darum, den Weg zum Saal zurückzufinden, wo er ja wahrscheinlich auch seinen Hut in der ersten Zerstreutheit auf einen unpassenden Platz gelegt hatte.“

/Seite 35/

Das Haus hat kein elektrisches Licht und es ist sehr groß. Karl muss mit der Kerze durch die geheimnissvollen Räume wandern, bis er einen der Diener trifft und von ihm eine Laterne bekommt. Da konnte die Kerze nicht so schnell kaputt gehen. Karl spricht mit dem Diener, der ihm Flecken von seinem Anzug entfernt und er kommt dazu, dass er belogen wurde. Dieses Haus hat Mack gekauft. Dieses Haus gehört nich den Pollundern. Und die blöde Kuh Klara ist Verlobte von Mack.

»Das wußte ich freilich nicht«, sagte Karl und blieb stehen.

»Setzt Sie das in solches Erstaunen?« fragte der Diener.

»Ich will es mir nur zurechtlegen. Wenn man solche Beziehungen nicht kennt, kann man ja die größten Fehler machen«, antwortete Karl.

»Es wundert mich nur, daß man Ihnen davon nichts gesagt hat«, sagte der Diener.

»Ja, wirklich«, sagte Karl beschämt.

/Seite 37/

Karl hört die Stimmen vom Speisesaal und geht rein, um Herrn Pollunder Bescheid zu sagen, dass er nach Hause gehen will.

»Ich möchte um alles gerne nach Hause. Ich werde gerne wiederkommen, denn wo Sie, Herr Pollunder, sind, dort bin auch ich gerne. Nur heute kann ich nicht hierbleiben. Sie wissen, der Onkel hat mir die Erlaubnis zu diesem Besuch nicht gerne gegeben.“

/Seite 39/

Die beiden wollen ihn aber nicht loslassen. Er musste wieder zur Klara, um sich verabschieden und dann musste er einen gemeinen Brief von seinem Onkel Jacob lesen, der ihn nicht mehr sehen will. Herr Green gab ihm eine Fahrkarte dritter Klasse nach San Franzisko. Der alte Koffer seines Vaters ist wieder da und Karl nimmt sein Unglück ganz gelassen.

Auf dem Umschlag des Briefes von seinem Onkel steht: >Zu übergeben nach Mitternacht. Wenn die Männer ihn nicht hin und her geschupst hätten, konnte er den Termin des Zusammentreffens mit seinem Onkel schaffen. Warum haben die zwei Herren, dass er den Zeittermin verpasst? Was sollte das Ganze?

Sie sind es, der die Schuld trägt, daß ich ihn versäumt habe.« Karl sah Green mit scharfen Augen an und erkannte wohl, wie in Green die Beschämung über diese Entlarvung mit der Freude über das Gelingen seiner Absicht kämpfte. Endlich nahm er sich zusammen und sagte in einem Tone, als wäre er Karl, der doch schon lange schwieg, mitten in die Rede gefallen: »Kein Wort weiter!« und schob ihn, der Koffer und Schirm wieder aufgenommen hatte, durch eine kleine Tür, die er vor ihm aufstieß, hinaus.“

/Seite 47/

Weg nach Ramses

Er dachte, ob es nicht vielleicht doch gut wäre, den Eltern zu schreiben, wie sie es ja tatsächlich beide (und der Vater zuletzt sehr streng in Hamburg) von ihm verlangt hatten. Er hatte sich freilich damals, als ihm die Mutter am Fenster an einem schrecklichen Abend die Amerikareise angekündigt hatte, unabänderlich zugeschworen, niemals zu schreiben, aber was galt ein solcher Schwur eines unerfahrenen Jungen hier in den neuen Verhältnissen!“

/Seite 50/

Er hat vieles erlebt, zwei Kameraden – Delamarche – und – Robinson gefunden, die Lärm gemacht haben und schmutzig waren.

»Warum wollen Sie denn eigentlich im Freien übernachten?« fragte eine Frau. »Wir haben hier Platz genug. Schlafen Sie bei uns im Hotel.

« Das war für Karl sehr verlockend, besonders da er die vorige Nacht so schlecht verbracht hatte.

»Ich habe mein Gepäck draußen«, sagte er zögernd und nicht ganz ohne Eitelkeit.

»Das bringen Sie nur her«, sagte die Frau, »das ist kein Hindernis.«

»Aber meine Kameraden!« sagte Karl und merkte sofort, daß die allerdings ein Hindernis waren.

»Die dürfen natürlich auch hier übernachten«, sagte die Frau.

»Kommen Sie nur! Lassen Sie sich nicht so bitten.«

»Meine Kameraden sind im übrigen brave Leute,« sagte Karl, »aber sie sind nicht rein.«

»Haben Sie den Schmutz im Saal nicht gesehen?« fragte die Frau und verzog das Gesicht.

»Zu uns kann wirklich der Ärgste kommen. Ich werde also gleich drei Betten vorbereiten lassen. Allerdings nur auf dem Dachboden, denn das Hotel ist vollbesetzt, ich bin auch auf den Dachboden übersiedelt, aber besser als im Freien ist es jedenfalls.«

/Seite 59/

Die zwei konnten nicht ins Hotel gehen. Sie waren Diebe und wollten dem jungen Karl nur schaden. Und er, naiv, dachte, sie sind seine Freunde.

Hotel Occidental

Woher sind Sie denn?« fragte die Oberköchin im Hotel.

»Aus Prag in Böhmen«, sagte Karl.

»Sehen Sie einmal an«, rief die Oberköchin in einem stark englisch betonten Deutsch und hob fast die Arme, »dann sind wir ja Landsleute, ich heiße Grete Mitzelbach und bin aus Wien. Und Prag kenne ich ja ganz ausgezeichnet, ich war ja ein halbes Jahr in der Goldenen Gans auf dem Wenzelsplatz angestellt. Aber denken Sie nur einmal.«

/Seite 64/

»Ich habe noch eine Bitte, Frau Oberköchin«, sagte Karl im Anblick des Telephonkastens, der auf dem Tisch stand, »es ist möglich, daß mir morgen, vielleicht sehr früh, meine früheren Kameraden eine Photographie bringen, die ich dringend brauche. Wären Sie so freundlich und würden Sie dem Portier telephonieren, er möchte die Leute zu mir schicken oder mich holen lassen?«

»Gewiß«, sagte die Oberköchin, »aber würde es nicht genügen, wenn er ihnen die Photographie abnimmt? Was ist es denn für eine Photographie, wenn man fragen darf?« »Es ist die Photographie meiner Eltern«, sagte Karl.

/Seite 65/

Alles Möglichste ist in dem Hotel passiert, aber Karl blieb hier drei Monate. Er befreundete sich mit einem Mädchen namens Theresa, derer Vater ein Baupolier war. Ihre Mutter brachte Theresa in die Welt als ein uneheliches Kind. Ihr Vater ist nach Kanada ausgewandert und die Zurückgebliebenen hatten weder einen Brief noch eine sonstige Nachricht von ihm erhalten.

/Seite 74/

Der Fall Robinson

Da klopfte ihm jemand auf die Schulter. Karl, der natürlich dachte, es wäre ein Gast, steckte den Apfel eiligst in die Tasche und eilte, kaum dass er den Mann ansah, zum Aufzug hin. »Guten Abend, Herr Roßmann«, sagte nun aber der Mann, »ich bin es, Robinson.« »Sie haben sich aber verändert!« sagte Karl und schüttelte den Kopf.

/Seite 79/

Robinson ist betrunken und wollte von Karl Geld. Er sieht nicht gut aus, aber ins Krankenhaus will er nicht gehen. Renell ist mit Delamarche beisammen. Die beiden haben ihn ja nach Karl ausgeschickt. Er will nicht zurück zu Delamarche. Er wehrt sich.

Gut, ich gebe Ihnen Geld, aber nur unter der Bedingung, dass Sie sofort von hier fortgehen und niemals mehr mich hier besuchen. Wenn Sie mir etwas mitteilen wollen, schreiben Sie an mich. Karl Roßmann, Liftjunge, Hotel Occidental, genügt als Adresse. Aber hier dürfen Sie, das wiederhole ich, mich nicht mehr besuchen. Hier bin ich im Dienst und habe keine Zeit für Besuche.

/Seite 80/

Karl nimmt ihn in den Schlafsaal. Kurz war er weg von dem Posten und der Oberkellner schrie ihn an:

»Du hast deinen Posten ohne Erlaubnis verlassen. Weißt du, was das bedeutet? Das bedeutet Entlassung. Ich will keine Entschuldigung hören, deine erlogenen Ausreden kannst du für dich behalten, mir genügt vollständig die Tatsache, daß du nicht da warst. Wenn ich das einmal dulde und verzeihe, werden nächstens alle vierzig Liftjungen während des Dienstes davonlaufen..“

/Seite 84/

Alle scheinen gegen Karl zu sein. Die Oberköchin ist aber der echte Boss des Hotels und sie entscheidet, was man mit Karl weiter macht. Er hat die Arbeitsstelle verlassen und einem betrunkenen Mann Geld geben wollen. Karl wurde entlassen.

Ein Asyl

Auto, der betrunkene Robinson, Delamarche, Karl und ein Polizist, der Fragen stellt.

»Du hast also keine Ausweispapiere?« und Karl mußte antworten: »Bei mir nicht.« »Das ist aber schlimm«, sagte der Polizeimann, sah nachdenklich im Kreise umher und klopfte mit zwei Fingern auf den Deckel seines Buches. »Hast du irgendeinen Verdienst?« fragte der Polizeimann schließlich.

»Ich war Liftjunge«, sagte Karl.

»Du warst Liftjunge, bist es also nicht mehr, und wovon lebst du denn jetzt?« »Jetzt werde ich mir eine neue Arbeit suchen.«

»Ja, bist du denn entlassen worden?« »Ja, vor einer Stunde.«

/Seite 104/

Das Gespräch geht weiter, auch Delamarche mischt sich ein und endlich kann das Auto weiter zur Delamarche´s Wohnung fahren.

Das erste, was Karl beim Eintritt der Wohnung bemerkte, waren drei Kasten, die knapp hintereinander aufgestellt waren. Auf dem Kanapee lag eine Frau…

/Seite 110/

Sie war Sängerin, verwöhnt und ihr Name war Brunelda. Sie verlangte von den Männern, dass sie sie bedienen und Robinson war gerade dran. Er beklagte sich aber über die schwere Arbeit und wollte Karl überreden, den Posten zu nehmen.

»Der Posten hat auch Vorteile, wie sie dir kein anderer Posten bieten kann. Du bist immerfort in der Nähe einer Dame wie Brunelda, du schläfst manchmal mit ihr im gleichen Zimmer, das bringt schon, wie du dir denken kannst, verschiedene Annehmlichkeiten mit sich. Du wirst reichlich bezahlt werden, Geld ist in Menge da, ich habe als Freund Delamarches nichts bekommen; nur wenn ich ausgegangen bin, hat mir Brunelda immer etwas mitgegeben, aber du wirst natürlich bezahlt werden wie ein anderer Diener. Du bist ja auch nichts anderes. Das Wichtigste für dich aber ist, daß ich dir den Posten sehr erleichtern werde. Zunächst werde ich natürlich nichts machen, damit ich mich erhole, aber wie ich nur ein wenig erholt bin, kannst du auf mich rechnen. Die eigentliche Bedienung Bruneldas behalte ich überhaupt für mich, also das Frisieren und Anziehen, soweit es nicht Delamarche besorgt. Du wirst dich nur um das Aufräumen des Zimmers, um Besorgungen und die schwereren häuslichen Arbeiten zu kümmern haben.«

/Seite 120/

Karl zeigte kein Interrese und Robinsons Benehmen ändert sich. Er benahm sich wirklich wie ein Wächterhund.

Da ertönten aus der Ferne von der Gasse her stoßweise Trommeln und Trompeten. Einzelne Rufe vieler Leute sammelten sich bald zu einem allgemeinen Schreien. Karl drehte den Kopf und sah, wie sich alle Balkone von neuem belebten. Langsam erhob er sich, er konnte sich nicht ganz aufrichten und musste sich schwer gegen das Geländer drücken. Unten auf dem Trottoir marschierten junge Burschen mit großen Schritten, ausgestreckten Armen, die Mützen in der erhobenen Hand, die Gesichter zurückgewandt.

/Seite 121/

»Es wird morgen ein Richter in unserem Bezirk gewählt und der, den sie unten tragen, ist ein Kandidat«, sagte Delamarche, vollkommen ruhig zu Brunelda…

/Seite 122/

Delamarche und die Sängerin wollen, dass Karl als Diener in der Wohnung bleibt. Aber er will nicht. Er wäre am liebsten noch gleich abends weggegangen. Die zwei wollten ihn nicht lassen, haben soger die Tür abgesperrt, die Karl aufbrechen wollte, und dann kam es zur Rauferei. Karl ist unglücklich und spricht mit einem Studenten, der um drei eine kurze Pause nebenbei seines Studiums macht. Am Tag arbeitet er als Verkäufer, in der Nacht studiert er. Den Schlaf kennt er fast nicht.

»Ich wollte Ingenieur werden«, sagte Karl noch eilig zu dem scheinbar schon gänzlich unaufmerksamen Studenten hinüber. »Und jetzt sollen Sie Diener bei diesen Leuten werden«, sagte der Student und sah flüchtig auf, »das schmerzt Sie natürlich.«

/Seite 131/

Das Naturtheater von Oklahoma

Karl sah an einer Straßenecke ein Plakat mit folgender Aufschrift: »Auf dem Rennplatz in Clayton wird heute von sechs Uhr früh bis Mitternacht Personal für das Theater in Oklahoma aufgenommen! Das große Theater von Oklahoma ruft euch!

/Seite 134/

Fragmente

Alle Angst der letzten Stunden verschwand.

/Seite 154/

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