Klaus Peter Hertzsch: Die Geschichte von Jona und der schönen Stadt Ninive

Klaus Peter Hertzsch: Die Geschichte von Jona und der schönen Stadt Ninive

Das Buch: Wie schön war die Stadt NINIVE

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Bücherei: eigene Bibliothek

Geschenk: von Bernardetta Otrubová

Sprache: deutsch

Zahl der Seiten: 86

Herausgeber: Union Verlag Berlin

Gattung: Biblische Balladen zum Vorlesen

http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_Hertzsch

Klaus Peter Hertzsch wurde in Jena in 1930 geboren. Er ist ein deutscher evangelischer Theologe, Dichter und Buchautor. Sein Vater war auch ein Theologe. Sein Sohn studierte evangelische Theologie in Jena und danach wirkte er als Gemeindepfarrer und Konviktinspektor in Jena. Sieben Jahre war er ein Studentenpfarrer, danach der Leiter der Evangelischen Studentengemeinden in der ehemaligen DDR in Berlin.

Er hatte verschiedene Amte belegt, die mir nichts zu sagen haben, aber der Wikipedia nach, war er ein eifriger Mann mit vielen Funktionen.

Dieses Buch, das ich gerade lese, hat er seinen Patenkindern zu Weihnachten gewidmet. Im Nachwort sagt er, dass er versucht hat, die biblischen Geschichte auf die Art und Weise zu schreiben, dass jeder sehen kann, dass sie lustig zum Lesen sind, dass sie gut zu verstehen sind und „bei allem doch ernst zu nehmen wären“. /Seite 85/

Inhalt

Die Geschichte von Jona und der schönen Stadt Ninive

Wie schön war aus der Fern und Näh,

wie schön war die Stadt Ninive!

Sie hatte Mauern, stark und dick.

Die Wächter machten Blasmusik.

Ein Stadttor war aus blauen Ziegeln

mit schwerer Tür und goldenen Riegeln,

davor zwölf bärtige Soldaten

von einem Bein aufs andre traten.

Die Häuser waren schön und bunt,

die Türme spitz, die Türen rund.

.

Und Gott sah aus von seiner Höh

und sah auf die Stadt Ninive.

Die schöne Stadt, sie macht´ ihm Sorgen,

die Bosheit blieb ihm nicht verborgen.

Da tranken sie. Da aßen sie.

Die Hungernden vergaßen sie.

Der König schickte die Soldaten,

die plünderten in fremden Staaten.

.

Los, Jona“, sprach der Herr, „nun geh

auf schnellstem Weg nach Ninive!

Sag ihr mein Wort! Sei mein Prophet,

weil es dort leider übel steht

Da hilft nur eine kräftige Predigt,

sonst ist die schöne Stadt erledigt!“

Doch Jona wurde blass vor Schreck

und sagte zu sich: „Nichts als weg!

Ich lösche mein Licht, verschließ mein Haus.

Ich mach mich fort. Ich reiße aus.“

.

Am Ende kam der müde Mann

am weiten blauen Meere an.

.

Er sagte zu dem Kapitän:

Wohin soll denn die Reise gehen?“

Nach Tharsis geht es,“ sagte der,

weit wenig von hier, weit übers Meer.“

Je weiter,“ rief er, „desto besser!

Hört zu: Ich bin kein starker Esser,

ich nehme wenig Platz euch weg

und zahle gut. Lasst mich an Deck!“

So zahlte er und ging an Bord.

Und bald darauf, da fuhren sie fort.

.

Auf einmal gab es einen Stoß.

Das Schiff stand schief. Ein Sturm brach los.

.

Das Schiff, es wurde hochgehoben

und zeigte manchmal steil nach oben.

Den armen Leuten auf dem Schiff

war bange, als der Sturmwind pfiff.

.

Zu Jona lief der Kapitän

und bat ihn, endlich aufzustehen.

Auf! Auf!“ befahl er dem Propheten,

wenn du es kannst, dann hilf uns beten!“

Inzwischen sagten die Matrosen,

sie wollten miteinander losen.

Wer nun das schwarze Los bekäme

der wäre schuld an alledem.

Und Jona zog das schwarze Los.

Und jeder sprach: „Wer ist das bloß?“

Ich bin,“ sprach Jona, „ein Hebräer.

Ich flieh – und doch kommt Gott mir näher.

Ja, Gott, dem bin ich wohlbekannt.

Hat mich nach Ninive gesandt.

Da bin ich vor ihm ausgerissen

und werde nun wohl ertrinken müssen.“

.

Er war zum Glück kein schlechter Schwimmer,

doch bis nach Hause – nie und nimmer!

Da plötzlich teilten sich die Wogen.

Es kam ein großer Fisch gezogen.

Dem hatte Gott der Herr befohlen,

den nassen Jona heimzuholen.

.

Er saugte den Propheten ein.

Der rutschte in den Bauch hinein.

Dort saß er, glitschig, aber froh:

denn nass war er ja sowieso.

.

Am dritten Tag im Abendlicht,

da kam das grüne Land in Sicht.

Der Fisch, der würgte sehr und spuckte,

bis Jona aus dem Maul ihm guckte.

Nun sprang der Jona auf den Strand

und winkte, bis der Fisch verschwand.

.

Da ging er los und floh nicht mehr.

Viel Tag und Nächte wandert´ er.

Er kam ans Tor und ging hinein.

Die Stadt war groß, er war allein.

Und trotzdem fasste er sich Mut,

hielt seine Predigt, kurz und gut,

und rief auf Plätzen und auf Straßen,

wo Leute standen oder saßen:

Noch vierzig Tage, spricht der Herr,

dann gibt es Ninive nicht mehr.

Die Stadt ist groß. Die Stadt ist schön.

Was böse ist, muss untergehn.“

Die Leute, wie man denken kann,

die hörten das mit Schrecken an.

Sie hatten nie daran gedacht

und schliefen nicht die nächste Nacht.

.

Sie aßen nicht. Sie tranken nicht.

Sie dachten nur ans Strafgericht.

Und als der König das erfuhr,

erschrak er auch und nickte nur.

Er zog den Purpurmantel aus

und schickte seinen Koch nach Haus.

.

Vielleicht ist es noch nicht zu spät,

dass unsre Stadt nicht untergeht.“

Und Gott sah aus von seiner Höh

und sah auf die Stadt Ninive

und sah die traurigen Gestalten

und sprach: „Ich will die Stadt erhalten.“

Da waren alle Leute froh

und ihre Tier ebenso.

Nur Jona nicht. Den packt´ die Wut.

Er sprach zu Gott: „Du bist zu gut!

Das hab ich nun von meiner Predigt:

die böse Stadt bleibt unbeschädigt.

Ich hatte mir das gleich gedacht,

mich deshalb aus dem Staub gemacht.“

.

Gott sprach zu ihm ein gutes Wort:

Jetzt weinst du, weil dein Baum verdorrt,

den du nicht wachsen lassen kannst

und den du nicht mal selbst gepflanzt.

Da sollte ich nicht traurig werden,

wenn meine Kinder dort auf Erden

verderben und zugrunde gehen,

weil sie mein Wort nicht gut verstehen?

Da sollte ich die Stadt nicht schonen,

in der so viele Menschen wohnen,

so viele Eltern, viele Kinder,

so viele arme, dumme Sünder,

so viele fröhliche Gesellen –

dazu die Tiere in den Ställen!

Vielleicht für dich zum guten Schluss

wächst bald ein neuer Rizinus.

Bestimmt, du wirst dich an dem neuen

genauso wie am alten freuen.

Dann denke: So in seiner Höh

freut sich der Herr an Ninive.“

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4 Antworten zu Klaus Peter Hertzsch: Die Geschichte von Jona und der schönen Stadt Ninive

  1. Drmarx schreibt:

    Das ist eine Geschichte, die musikalisch interpretiert, ich vor vierzig Jahren (!) gehört habe. Wie schön, das hier zu finden. Ich wünschte, ich könnte die Musikversion finden…

    • Karsten Drechsler schreibt:

      Wie heißt denn die CD genau und kann man die noch käuflich erwerben?

    • Markus schreibt:

      Hallo Frau Rohr, ich habe alles Hebel in Bewegung gesetzt, bekomme aber das Lied nicht. Könnten sie mir weiter helfen? Ich wäre ihnen sehr dankbar, da ich das Lied als kleines Kind gehört habe und es gerne wieder hören würde!
      Mail: ninjo[at]mkmails.de

  2. frauellie schreibt:

    Es tut mir leid, aber die Musikversion habe ich nicht zur Verfügung…. Ich bin froh, dass Ihnen meine Notizen gefallen haben… Ich habe sie erstesmal als Studentin gelesen und ich war begeistert von der Arbeit… gutes Buch… ja… echt gut… 🙂

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